Da fahr‘ ich voll drauf ab – Ideen für einen nachhaltigen und modernen Verkehr in Solingen

In Deutschland nimmt der Straßenverkehr seit Jahren zu. Gerade Großstädte leiden oftmals unter einem daraus entstehenden Verkehrschaos und Überschreitungen der Schadstoffrichtwerte. Darum ist es essentiell, den Verkehr so effizient und nachhaltig wie möglich zu gestalten. Auch entstehen durch die Vermehrung der verschiedenen Verkehrsteilnehmer immer wieder Unstimmigkeiten. Es müssen also Maßnahmen geschaffen werden, die für eine Gleichberechtigung der Verkehrsteilnehmer sorgen. In Sachen Verkehr hat Solingen noch eine Sondersituation: Die Klingenstadt gehört durch ihre Lage zwischen Düsseldorf, Wuppertal und Köln zu den wenigen Großstädten, in denen jeden Tag mehr Menschen aus- als einpendeln. Deshalb ist es hier besonders wichtig, dass das Pendeln möglichst einfach, schnell und effizient funktioniert. 

Digitale und emissionsarme Verkehrssteuerung: 

Wir fordern die Umsetzung einer digitalen und emissionsarmen Verkehrssteuerung in Solingen. Orientiert werden soll sich hierbei an dem sogenannten „DIGI-Projekt“ der Stadt Wiesbaden in Zusammenarbeit mit dem Bundesverkehrsministerium. 

Neue und bereits bestehende Ampeln an Hauptverkehrspunkten wie großen Kreuzungen und Hauptstraßen sollen mit Detektoren ausgestattet und untereinander vernetzt werden, damit Autos und Fußgänger erkannt und die Ampeln entsprechend geschaltet werden können. Dies sorgt für einen besseren Verkehrsfluss und verhindert unnötiges Bremsen und Anfahren. Dadurch wird die Schadstoffbelastung in der Luft verringert. Dem Busverkehr könnten digitale Ampeln an den Hauptverkehrspunkten Vorrang gewähren, um die Einhaltung der Fahrpläne besser zu ermöglichen. Zudem sollen Ampeln auch mit Sensoren für die Schadstoffbelastung in der Luft ausgestattet werden. So könnte der Verkehrsfluss anhand dieser Daten optimal gesteuert werden, damit die Schadstoffbelastung die Grenzwerte nicht überschreitet. Durch die Vernetzung von digitalen Verkehrszeichen mit den Ampeln könnte diese Verkehrssteuerung noch besser gelingen. 

Weiter sollen die Ampeln durch die Detektoren den in die Stadt Solingen einfahrenden Lieferverkehr analysieren können. Beispielsweise können dadurch Hauptverkehrswege des Lieferverkehrs erkannt und an den Lieferverkehr angepasst werden. Dies könnte zu einem reibungsloseren und effizienteren Lieferverkehr führen und Schadstoffemissionen vermindern. 

Zudem erscheint eine erneute Evaluation der Erforderlichkeit sämtlicher Ampeln geboten. Dabei sollten drei Möglichkeiten in Betracht gezogen werden: ein ersatzloses Entfallen der Ampelanlagen, ersatzweise ein Kreisverkehr oder zumindest eine Abschaltung zur Schwachverkehrszeit. Bei letzterer soll insbesondere neben der Spätverkehrszeit auch die geringe Nutzung bestimmter Straßen am Wochenende und insbesondere an Feiertagen berücksichtigt werden.  

Unser Ziel bei diesem Prozess ist es, die ersten beiden Varianten deutlich spürbar in Solingen zu erhöhen, damit das nervige und unnötige Warten an weniger befahrenden Kreuzungen der Vergangenheit angehört. Wir waren mal stolz auf unsere vielen Ampeln in Solingen – heute sollte das Gegenteil das Ziel sein. 

Um dieses Ziel zu erreichen, bauen wir ganz besonders auf neue Kreisverkehre. Wir sprechen uns ausdrücklich für mehr Kreisverkehre in Solingen aus – insbesondere in der Innenstadt. So kann das Labyrinth in der Innenstadt enorm vereinfacht werden. Ein besonderer Schlüssel zu einer Entflechtung dieses Irrgartens ist für uns ein Kreisverkehr an der Kreuzung Dickenbusch. 

Auch diese Maßnahme bezweckt einen besseren Verkehrsfluss und eine damit einhergehende Minderung der Schadstoffbelastung in der Luft. Zugleich soll die Kommune hierdurch Strom und Geld sparen. Selbstverständlich ist bei der Evaluation jedoch weiterhin der Verkehrssicherheit eine übergeordnete Rolle zuzuweisen. 

Hinsichtlich der Verkehrssicherheit sollen zudem potentielle Gefahrenstellen sowohl auf Kinder- und Schulwegen als auch für Radfahrer im Straßenverkehr gezielt untersucht werden, um im Anschluss Lösungsvorschlage gemeinsam unter Einbeziehung der Verkehrsteilnehmer zu entwickeln.  

Insbesondere soll den Verkehrsteilnehmern durch ein einfach zu bedienendes Online-Portal die Plattform geboten werden, in Bezug auf den Verkehr Vorschläge, Kritik und sonstige Anmerkungen zu hinterlassen. Zusätzlich zu der zu befürworteten Partizipation der Verkehrsteilnehmer können so Problemstellen ohne Mehrkosten pragmatisch und schnell identifiziert werden. Ebenso kann eine Partizipation bei der Herausarbeitung von Lösungsvorschlägen Kosten minimieren und den Bedürfnissen oftmals gerecht werden. 

Als weitere Maßnahme im Rahmen der digitalen und emissionsarmen Verkehrssteuerung fordern wir die Einführung eines digitalen Parkleitsystems. In deutschen Großstädten verbringt ein Autofahrer im Durchschnitt 41 Stunden pro Jahr (6,74 Minuten pro Tag) mit der Parkplatzsuche, was in etwa 15% der Nutzungsdauer eines PKW ausmacht. Dies sorgt zum einen für höhere Betriebskosten der PKW, zum anderen aber auch für eine höhere Schadstoffbelastung der Luft durch Fahrten im Anfahr- und Bremsmodus. Zudem sorgt die Parkplatzsuche gerade in viel befahrenen Gebieten für Störungen des Verkehrsflusses. Auch konkurrieren verschiedene Personen mit unterschiedlichen Bedürfnissen und vorhandene Parkplätze, wie z.B. Anwohner, Besucher, Lieferanten und Kunden. Daher sollen zunächst die Gebiete mit gesondertem Handlungsbedarf nach der Straßenverkehrsordnung ermittelt werden und die Parkflächennutzung sodann optimiert werden. Um dies zu erreichen, sollen unter anderem Parkraumsensoren für öffentliche und private Parkflächen in der Innenstadt und um die Ohligser Fußgängerzone herum in Kombination mit der digitalen Verkehrssteuerung genutzt werden, damit Verkehrsteilnehmer anhand von Echtzeitbelegungsdaten den für sie besten Parkplatz finden können. In diesem Rahmen soll auch der Bau von kostenlosen P+R-Plätzen geprüft und diese ebenfalls mit Sensoren ausgestattet werden. Als Standort würde sich hierfür der Hauptbahnhof anbieten. Auch sollen Parkraummanagementrichtlinien dafür sorgen, dass die verschiedenen Interessengruppen ein ausreichendes und kostengünstiges Parkraumangebot haben. Dieses Vorhaben soll zudem auch durch aktive Parkraummanagementmaßnahmen, wie beispielweise Park-Apps, unterstützt werden. 

Attraktiver ÖPNV 

Gerade im innerstädtischen Verkehr, aber auch für Pendler ist es unerlässlich, dass es einen gut funktionierenden, modernen und attraktiven ÖPNV gibt. Hier gibt es aus unserer Sicht noch einiges zu tun. Wir fordern die Ortungsmöglichkeit sämtlicher Busse, damit Kunden per App den Standort der Busse nachverfolgen können. Dadurch sollen etwaige Verspätungen ermittelt und den Fahrgästen über die App und über digitale Haltestellenschilder mitgeteilt werden. Dies sorgt dafür, dass langes Warten an Haltestellen vermieden werden kann und Pendler im Falle einer Verspätung umdisponieren können, um eventuelle Anschlusszüge oder –busse nicht zu verpassen. In diesem Rahmen sollen weitere Haltestellen, insbesondere die der Linien 681 und 682, mit digitalen Schildern ausgestattet werden. Die App soll zudem weitere Funktionen enthalten, die für Kunden nützlich sind. So z.B. die Option, digital Tickets zu kaufen und sowohl diese als auch Abo-Tickets per Handy nutzen zu können. 

Durch die Lage zwischen Düsseldorf, Wuppertal und Köln und die verhältnismäßig niedrigen Mieten gibt es in Solingen viele Pendler. Solingen ist eine der wenigen Großstädte, in der mehr Leute aus- als einpendeln und lebt von einem gut funktionierenden Pendelverkehr. Insbesondere Studenten, aber auch Berufspendler nutzen dafür täglich den ÖPNV, um zum Hauptbahnhof zu kommen und per Zug weiterzureisen. Das bedeutet für Menschen aus den weiter entfernten Stadtteilen wie Höhscheid meist eine längere Fahrt, um überhaupt erstmal zum Hauptbahnhof zu kommen. Daher fordern wir die Einführung eines Expressbusses auf den Linien 681 und 682 mit Zwischenhalten mindestens beim Graf-Wilhelm-Platz, im Falle der 681 in Merscheid und im Falle der 682 bei Wald Kirche. Weitere sinnvolle Haltestellen sollen durch eine entsprechende Analyse herausgefunden werden. Dies würde dafür sorgen, dass Pendler schneller zum Hauptbahnhof kommen und das Auto stehen lassen können. 

Maßnahmen zur Beschleunigung der Buslinien sollen in regelmäßigen Abständen umgesetzt werden. Dafür soll ein Ratsbeschluss angestrebt werden, dass für mindestens eine Linie pro Jahr das Einsparungspotenzial an Fahrzeit ermittelt und mit entsprechenden Maßnahmen nahezu erreicht wird. Beispiel hierfür ist die Stadt München. Dort hat der Rat so einen Beschluss gefasst und zahlreiche Linien konnten beschleunigt werden. Dadurch konnten unter anderem die Nachfrage erhöht und Fahrzeuge eingespart werden. 

Wir setzen uns dafür ein, dass in den nächsten Jahren der gesamte ÖPNV Betrieb in Solingen barrierefrei wird. Insbesondere Haltestellen sollen komplett barrierefrei gestaltet werden. Auch Haltestellen, welche keine Verknüpfungsfunktion besitzen oder nur von einer Linie angefahren werden sollen bald komplett barrierefrei sein so, dass jeder Einzelne die Möglichkeit hat den ÖPNV zu nutzen. 

Verbesserung des Radverkehrs 

Um den Radverkehr in Solingen effizient verbessern zu können, bedarf es zunächst einer umfassenden Analyse desselben. Das Ziel ist es, den Radverkehr sicherer zu machen und für eine Gleichberechtigung der verschiedenen Verkehrsteilnehmer zu sorgen. Im Rahmen der Analyse sollen auch z.B. mittels Sprechstunden oder eines Online-Portals (z.B. ein „Radsportal“) Möglichkeiten geschaffen werden, dass sich Radfahrer aktiv an dem Prozess beteiligen und neue Ideen einwerfen können. Durch die Analyse sollen besonders Straßen und Orte festgestellt werden, die häufig von Radfahrern genutzt werden. Darauf aufbauend sollen in einem nächsten Schritt Radwege neu- und ausgebaut werden, insbesondere an hochfrequentierten Straßen. Auch soll geprüft werden, ob an einigen Stellen, z.B. an größeren Kreuzungen, die Errichtung von Fahrradampeln sinnvoll ist, um den Radverkehr sicherer zu machen.  

Um Fahrradfahrern das sichere Abstellen ihrer Fahrräder an gewissen öffentlichen Orten wie z.B. an Bahnhöfen oder in der Innenstadt zu ermöglichen, sollen überdachte Abstellplätze errichtet bzw. bereits vorhandene erweitert werden. Wo es sinnvoll ist, sollen diese Abstellplätze ausgeschildert werden. Gerade in etwas abgelegeneren Gebieten in Solingen, in denen in einem größeren Umkreis nur wenige Bushaltestellen stehen, soll zudem erwägt werden, Abstellmöglichkeiten für Fahrräder an diesen zu errichten, damit Anwohner die Haltestellen per Fahrrad erreichen können. Dies wäre insbesondere für Pendler eine sehr sinnvolle Maßnahme. 

Wir begrüßen die geplante Veloroute Hilden-Solingen-Wuppertal, da besonders Fahrradpendler, aber auch Freizeitradler von ihr profitieren. Die geplanten Vorfahrtsänderungen zugunsten der Radfahrer an der Fuhrstraße, Nümmener Straße und Dahler Straße lehnen wir allerdings ab. Die Überquerungen sind für Autofahrer schlecht einsehbar, sodass es aus unserer Sicht zu einem hohen Unfallrisiko führen würde, wenn Radfahrer an diesen Überquerungen Vorfahrt hätten. Ebenso lehnen wir die geplante Versetzung des Übergangs über die Wuppertaler Straße am Kunstmuseum ab, da diese aus unserer Sicht nur mit einem unverhältnismäßig hohen Aufwand und zu hohen Kosten verbunden ist. Stattdessen soll mit deutlichen Schildern und Fahrbahnmarkierungen auf die Straßenüberquerung und Fortsetzung der Trasse hingewiesen werden, damit sich ortsfremde Radfahrer nicht mehr in die benachbarte Ziegelstraße verirren. 

Außerdem soll die Erfolgsgeschichte der Korkenziehertrasse ausgeweitet werden. Wir wollen einen Radschnellweg, der neue Teile Solingens erschließt. Mit einer „Mini-Straße“ nur für Fahrräder würden wir die bestmöglichen Bedingungen schaffen – so geht Radverkehr in schnell, sicher und mit Spaß. Besonderes Augenmerk soll bei der Prüfung von möglichen Routen auf eine Variante entlang der Viehbachtalstraße gelegt werden. Dann würde die „Mini-Straße“ eine „Mini-Autobahn“ nur für Fahrräder werden, die fast ganz Solingen miteinander verbindet und unsere nachhaltige Mobilität auf ein ganz neues Level hebt. 

Keine autofreie Innenstadt 

Wir begrüßen die Pläne, den Verkehr in der Innenstadt neu zu strukturieren, um z.B. die Schadstoffbelastung durch den Autoverkehr zu verringern. Aus unserer Sicht muss dabei aber weiterhin gewährleistet bleiben, dass die Innenstadt per Auto erreichbar bleibt. Wir stellen uns klar gegen generelles Autoverbot. Stattdessen sollen die Alternativen zum Auto attraktiver gemacht werden, damit die Menschen freiwillig das Auto stehen lassen, wenn es ihnen möglich ist. Gerade für den Einzelhandel ist es aber wichtig, dass Solinger Kunden weiterhin Einkäufe per Auto tätigen können, damit sie nicht in die benachbarten Städte zum Einkaufen fahren. Für viele Menschen ist der Transport von größeren Einkäufen mit dem ÖPNV schlichtweg nicht möglich. Zudem sind in der Innenstadt viele Ärzte angesiedelt. Gerade älteren Menschen muss es weiterhin möglich sein, diese per Auto zu erreichen, da eine Fahrt mit dem Bus für viele von ihnen nur schwierig möglich und wenig komfortabel ist. 

Ausbau Viehbachtalstraße 

Im Zuge eines effizienteren und nachhaltigeren Verkehrs fordern wir weiterhin den Anschluss der Viehbachtalstraße an die A3. Im Berufsverkehr gibt es lange Rückstaus auf der Bonner Straße, da diese Straße als Autobahnzubringer für diese Masse an Autos nicht ausgelegt ist. Durch diese Rückstaus müssen Pendler zum einen meistens deutlich mehr Zeit für ihre Fahrt nach z.B. Köln einplanen, zum anderen wird auch hier die Umwelt durch das ständige Anfahren der Fahrzeuge belastet. Durch den Anschluss an die A3 könnten diese Rückstaus erheblich verringert und die Umwelt dadurch entlastet werden. Auch für in Solingen ansässige Unternehmen oder Unternehmen, die Waren nach Solingen liefern, würde der Anschluss für Zeitersparnisse und effizientere Lieferungen sorgen. Insbesondere für Unternehmen wäre zudem der Bau einer Ausfahrt Scheuren nützlich, damit LKW das naheliegende Industriegebiet Scheuren einfacher erreichen können. 

Wasserstoffinfrastruktur 

Im Rahmen eines nachhaltigen Verkehrs darf auch das Thema Wasserstoff nicht außer Acht gelassen werden. Wir fordern daher, dass eine entsprechende Infrastruktur in Form von Wasserstofftankstellen errichtet wird, damit Schritt für Schritt der Umstieg auf diese Antriebsform gelingen kann. Besonders städtische Dienstfahrzeuge und der Omnibusfuhrpark sollen so in naher Zukunft durch wasserstoffbetriebene Fahrzeuge ersetzt werden können. Dieser Prozess sollte in enger Abstimmung mit der Stadt Wuppertal durchgeführt werden, da in Wuppertal bereits zehn wasserstoffbetriebene Busse im Einsatz sind. Wichtig dabei ist aber, dass Solingen eine eigene Infrastruktur aufbaut und Busse nicht etwa in Wuppertal betankt werden müssen. Gewonnen werden kann der Wasserstoff wie in Wuppertal aus Abfall.  

Auch soll die Stadt Solingen mit dieser Maßnahme Taxiunternehmen dazu anregen, ihre Flotte auf Wasserstoffautos umzurüsten. Durch solche Maßnahmen können CO2-Emissionen erheblich verringert werden und Solingen als gutes Beispiel in Sachen Umstieg auf Wasserstoff vorangehen.